Announcement: ISBN Nummer Suche

2014
10.07
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Carl Djerassi – Der Schattensammler

2014
11.18

Carl Djerassi VortragDer Schattensammler ist gemäß dem Untertitel des Buches die allerletzte Autobiografie von Carl Djerassi. Der österreichisch-amerikanische Chemiker hat mit der (chemischen) Erfindung der Pille (er bezeichnet sich selbst als Mutter der Pille) maßgeblich zur gesellschaftlichen Entwicklung des vergangenen Jahrhunderts beigetragen und mit seiner wissenschaftlichen Tätigkeit einen tiefen Fußabdruck hinterlassen.

Inhalt

Djerassi hat in der Vergangenheit bereits Autobiografien verfasst (über unsere ISBN Suche sind diese durch Eingabe seines Namens auffindbar) und betrachtet das vorliegende Werk als abschließende Autobiografie. Möglicherweise liegt es an seinem unermüdlichen Taten- und Geltungsdrang, dass er in diesem Buch auch offene und klare Worte für Konflikte der Vergangenheit findet. Er wirft der Stanford University vor, ihn in Folge interner Grabenkämpfe trotz all seiner Leistungen und Erfolge “vom Hof gejagt zu haben”. Andererseits versucht er – in seinem nur sehr bedingt bescheidenen Stil – aufzuzeigen, dass vielfache Interessen und Passionen die Grundlage für ein erfülltes Leben darstellen.

Neben seiner intensiven wissenschaftlichen Tätigkeit hat sich Carl Djerassi auch als Autor von Romanen einen Namen gemacht und mehrere Bücher veröffentlicht, die einen Bezug zur Wissenschaft haben und die Literaturgattung “Science-in-fiction” begründeten. Später verfasste er im selben Stil auch Theaterstücke. Weiterhin ist als renommierter Kunstsammler bekannt. Die Werke des Kunstsammlers Djerassi von Paul Klee sind in einer Dauerausstellung im MoMA in San Francisco zu bewundern. Die Förderung der Künste und der Künstler spielt eine wichtige Rolle in seinem Leben, insbesondere in den Jahrzehnten nach dem Selbstmord seiner Tochter, welche selbst Künstlerin war.

Fazit zur letzten Autobiografie von Carl Djerassi

Mich hat das Buch neugierig gemacht, da ich Djerassi in den vergangenen Jahren wiederholt durch Interviews und Dokumentationen “begegnet” bin. Das Buch ist aus meiner Sicht jedoch das Werk eines Mannes mit zwei Seiten: Trotz des erfüllenden Lebens Djerassis wirkt seine letzte Autobiografie an vielen Stellen wie das Werk eines verbitterten alten Mannes, dessen Selbstreflexion sich auf seine Arbeit beschränkt. Diese Kapitel sind jedoch umso interessanter, da sich Djerassi intensiv mit den Konsequenzen seiner Arbeit auseinandergesetzt hat und dem Leser beispielsweise in Hinblick auf die demographischen Auswirkungen der Einführung der Antibabypille eine interessante Perspektive ermöglicht. Wer, wie ich, wiederholt auf Djerassi gestossen ist und eine gewisse Neugierde verspürt, wird die Lektüre dieses Buches nicht bereuen. Im folgenden Video bekommt man einen ersten Eindruck seiner Person.

 

Chris Lonsdale – The Third Ear: You Can Learn Any Language

2014
10.01

Ich bin auf Chris Lonsdale durch seinen TED Talk “How to learn any language in six months” aufmerksam geworden. Chris ist 1981 – in einer Zeit in welcher China noch ein äußerst exotisches Reiseziel war – zum ersten Mal nach China gereist. Sein Plan war, innerhalb von 2 Jahren fließend Mandarin zu sprechen. Dieses Ziel hatte er bereits nach 6 Monaten erreicht (er sprach nicht wie ein Muttersprachler, konnte sich aber fließend verständigen).

In diesem Buch will Chris Lonsdale zeigen, wie ein Erwachsener eine neue Sprache schnell, leicht und effektiv lernen kann. Dabei greift Lonsdale auf seine Erfahrungen mit dem Thema (Sprachen-) Lernen zurück, mit welchem er sich seit seinem 12. Lebensjahr beschäftigt.

Im Laufe des Buches gibt Lonsdale eine Vielzahl von Tipps (5 Prinzipien und 7 “Actions”), die er seitenlang auf Basis seiner eigenen Erfahrungen erörtert. Exemplarisch ist z.B. die kontinuierliche Auseinandersetzung mit der zu lernenden Sprache. Auch wenn man erst am Beginn des Lernprozesses ist, solle man sich seiner Meinung nach so häufig wie möglich der neuen Sprache aussetzen. Hierbei spielt es keine Rolle, ob man das Gehörte auch versteht. So kann man beispielsweise fremdsprachige Nachrichtenstreams ansehen oder Radiosender hören. Später beim Lernen der Wörter wird es einem unbewusst leichter fallen, sich die Wörter zu merken und sie später auch in einen Kontext zu bringen. Lonsdale räumt auch mit einigen Mythen auf, wie etwa die Redensart, dass es Kindern leichter fällt (Sprachen) zu lernen. Stattdessen zeigen Beobachtungen, dass Kinder nur deshalb schneller neue Sprachen lernen, da sie bei einem Umzug ins Ausland meist vom 1. Tag an der neuen Sprache ausgesetzt sind und viel mehr Zeit als ihre Eltern mit dieser verbringen. Untersuchungen zu diesem Thema haben laut Lonsdale gezeigt, dass bei ähnlichem Zeitinvestment Erwachsene die Sprache sogar schneller gelernt haben.

Jeder, der wirklich Interesse am Lernen von Sprachen hat, jedoch frustrierende Barrieren im Kopf hat, wird seiner Motivation mit dieser Lektüre ankurbeln können. Vor allem für Leser fortgeschrittenen Alters dürfte das Buch als Inspiration dienen. Wer jedoch eine technische Anleitung sucht, wird mit diesem Buch nicht glücklich werden. The Third Ear enthält derart viele biografische Informationen und Anekdoten aus dem Leben des Autors, dass es eigentlich nur zu 50% als Lernratgeber bezeichnet werden kann.

Ferdinand von Schirach – Die Würde ist antastbar: Essays

2014
09.04

Mit Die Würde ist antastbar: Essays veröffentlicht der Strafverteidiger und Schriftsteller Ferdinand von Schirach nach zwei Bänden mit Kurzgeschichten und zwei Romanen eine Sammlung, welche aus 13 Essays zu unterschiedlichen Themen besteht. In diesem Buch setzt sich von Schirach mit den ethischen Fragestellungen zu aktuellen gesellschaftlichen Ereignissen wie einem Rauchverbot, der Ermordung Osama bin Ladens oder der Vorratsdatenspeicherung auseinander.

Das erste Essay trägt die Überschrift des Buchtitels: Der Autor diskutiert – ausgehend von der Ermordung Osama bin Ladens und darauf folgenden positiven Reaktionen u.a. von der deutschen Bundeskanzlerin – völkerrechtliche Regelungen, die einst gegen das Bedürfnis nach Rache errichtet wurden und in bestimmten Situationen dennoch bewusst umgangen werden. Im Verlauf des Kapitels zieht von Schirach einen treffenden Vergleich zwischen Menschenrechten und Freundschaft: Beide „taugen nichts“, wenn sie sich nicht auch und gerade in den schwierigen und dunklen Tagen bewähren.

Im Essay Weil wir nicht anders können schildert von Schirach das Autorenleben und führt aus, warum Autoren ihre Bücher nicht selbst vermarkten sollten und welche Bedeutung dem Verleger im Entstehungsprozess eines Buches zukommt. Er tritt für eine strikte Arbeitsteilung zwischen Schriftsteller und Verlag ein und schildert dies anschaulich anhand der Entstehungsprozesse seiner bisherigen Bücher. Leider zeigt der Autor im Kapitel Die Kunst des Weglassens eine gewisse Technologieskepsis. Das Kapitel wirkt zum Erscheinungstermin des Buches völlig veraltet: So philosophiert von Schirach über das „iPad [..] das neue Gerät des Soft- und Hardware-Herstellers Apple“. Dieses Kapitel passt leider gar nicht zu den übrigen reflektierten Kapiteln dieses Buches. Im Essay Reine Menschen, reine Luft über Raucher und Nichtraucher erfährt der Leser, dass das Rauchen im dritten Reich verpönt war und Anti-Raucher Zeitschriften wie „Reine Luft“ oder „Die Tabakfrage“ verlegt wurden, da der Tabakkonsum dem „hygienisch sauberen Deutschen“ entgegenstand.

Dieses Buch ist lesenswert, jedoch anders als frühere Werke von Ferdinand von Schirach. Die eigenständigen Essays sind in wenigen Minuten gelesen, können jedoch ganze Abende diskutiert werden. Dieses Buch ist nicht übermäßig unterhaltsam und kann dennoch der Grund für angeregte Unterhaltungen sein. Die angesprochenen Themen sind mit Sicherheit nicht nur für Juristen interessant, sondern auch für jeden am Zeitgeschehen interessierten Bürger.

F. Scott Fitzgerald – Der große Gatsby

2014
06.23

F. Scott Fitzgeralds Meisterwerk Der große Gatsby ist ein Buch, welches auf Long Island (New York)  in der Nachkriegszeit des 1. Weltkrieges spielt. Der Haupterzähler Nick Carraway ist alleinstehend und arbeitet an der New Yorker Börse. Von seinem Einkommen erwirbt er ein Haus im fiktiven Ort West Egg auf Long Island und wird damit zum Nachbarn des sagenumwobenen (ihm zu Beginn noch nicht bekannten) Jay Gatsby. Dieser junge Millionär ist in den Kreisen der gehobenen New Yorker Gesellschaft in aller Munde, denn kaum ein Mitglied kennt nicht jemanden, der noch nicht auf einer seiner berüchtigten Gartenpartys war. Auch als Nick mit seiner Großcousine Daisy und deren Mann Tom Buchanan, einem arroganten wohlhabenden Ex-Sportler, in die New Yorker Society eintaucht, wird er wiederholt auf den ihm nicht persönlich bekannten Gatsby angesprochen.

Nick entwickelt eine starke Neugierde und findet sich nach einiger Zeit auch bei einer von Gatsbys Partys ein. Unter den Gästen befinden sich viele enthemmte und sorglose Mitglieder der New Yorker “Upper Class”, welche Gatsby überwiegend nicht persönlich oder lediglich flüchtig kennen. Als sich Nick und Gatsby nach einiger Zeit kennenlernen stellt sich bald heraus, dass Nicks Großcousine Daisy eine alte Bekannte des Millionärs ist. Die wiederauflebende Flamme der alten Liebe zwischen Gatsby und Daisy sowie die Affäre von Daisys Ehemann Tom mit der Frau eines Tankstellenbetreibers führen zu einem bitteren Ende des Sommers auf Long Island.

Das dritte Buch F. Scott Fitzgeralds bildet die sorglose Zeit erfolgreicher junger Menschen nach dem ersten Weltkrieg und vor dem Beginn der Weltwirtschaftskrise in den späten 1920er Jahren ab. An den New Yorker Börsen wird viel Geld verdient und wer bereits ein Vermögen angespart hat kann sich ohne zu Zögern in ein dekadentes Privatleben mit Gleichgesinnten zurückziehen. Freunde und oberflächliche Bekanntschaften gewinnt man als Veranstalter von Partys leicht, wobei jegliche Tiefgründigkeit in Beziehungen und Gesprächen als Todsünde gilt. Dies wird am besten verbildlicht durch die Beerdigung Gatsbys, auf welcher lediglich Nick und zwei weitere Personen anwesend sind, jedoch nur eine Person aus dem Kreis Gatsbys ehemaliger Partygäste. Dieser Klassiker geht jedoch auch die Schattenseiten dieser Zeit (wie etwa die tragische Figur des Tankstellenbetreibers Wilson) ein. Geld schafft eine klare gesellschaftliche Trennlinie, welche jegliche universellen Gemeinsamkeiten verschwinden lässt.

Dieser Klassiker ist es eindeutig wert, gelesen zu werden. Dem Leser wird in “Der große Gatsby” in einer sehr lebendigen und bildhaften Geschichte eine Welt vorgestellt, die einst real war und bald seit einem ganzen Jahrhundert nicht mehr existent ist. Realistische Charaktere und eine dramatische Geschichte runden das Meisterwerk ab.

Link: Bekannte Zitate (englisch) aus dem Buch