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2010
03.20
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F. Scott Fitzgerald – Der große Gatsby

2014
06.23

F. Scott Fitzgeralds Meisterwerk ist ein Buch, welches auf Long Island (New York)  in der Nachkriegszeit des 1. Weltkrieges spielt. Der Haupterzähler Nick Carraway ist alleinstehend und arbeitet an der New Yorker Börse. Von seinem Einkommen erwirbt er ein Haus im fiktiven Ort West Egg auf Long Island und wird damit zum Nachbarn des sagenumwobenen (ihm zu Beginn noch nicht bekannten) Jay Gatsby. Dieser junge Millionär ist in den Kreisen der gehobenen New Yorker Gesellschaft in aller Munde, denn kaum ein Mitglied kennt nicht jemanden, der noch nicht auf einer seiner berüchtigten Gartenpartys war. Auch als Nick mit seiner Großcousine Daisy und deren Mann Tom Buchanan, einem arroganten wohlhabenden Ex-Sportler, in die New Yorker Society eintaucht, wird er wiederholt auf den ihm nicht persönlich bekannten Gatsby angesprochen.

Nick entwickelt eine starke Neugierde und findet sich nach einiger Zeit auch bei einer von Gatsbys Partys ein. Unter den Gästen befinden sich viele enthemmte und sorglose Mitglieder der New Yorker “Upper Class”, welche Gatsby überwiegend nicht persönlich oder lediglich flüchtig kennen. Als sich Nick und Gatsby nach einiger Zeit kennenlernen stellt sich bald heraus, dass Nicks Großcousine Daisy eine alte Bekannte des Millionärs ist. Die wiederauflebende Flamme der alten Liebe zwischen Gatsby und Daisy sowie die Affäre von Daisys Ehemann Tom mit der Frau eines Tankstellenbetreibers führen zu einem bitteren Ende des Sommers auf Long Island.

Das dritte Buch F. Scott Fitzgeralds bildet die sorglose Zeit erfolgreicher junger Menschen nach dem ersten Weltkrieg und vor dem Beginn der Weltwirtschaftskrise in den späten 1920er Jahren ab. An den New Yorker Börsen wird viel Geld verdient und wer bereits ein Vermögen angespart hat kann sich ohne zu Zögern in ein dekadentes Privatleben mit Gleichgesinnten zurückziehen. Freunde und oberflächliche Bekanntschaften gewinnt man als Veranstalter von Partys leicht, wobei jegliche Tiefgründigkeit in Beziehungen und Gesprächen als Todsünde gilt. Dies wird am besten verbildlicht durch die Beerdigung Gatsbys, auf welcher lediglich Nick und zwei weitere Personen anwesend sind, jedoch nur eine Person aus dem Kreis Gatsbys ehemaliger Partygäste. Dieser Klassiker geht jedoch auch die Schattenseiten dieser Zeit (wie etwa die tragische Figur des Tankstellenbetreibers Wilson) ein. Geld schafft eine klare gesellschaftliche Trennlinie, welche jegliche universellen Gemeinsamkeiten verschwinden lässt.

Dieser Klassiker ist es eindeutig wert, gelesen zu werden. Dem Leser wird in einer sehr lebendigen und bildhaften Geschichte eine Welt vorgestellt, die real war und bald seit einem Jahrhundert nicht mehr existent ist. Realistische Charaktere und eine dramatische Geschichte runden das Meisterwerk ab.

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Haruki Murakami – 1Q84

2014
03.06

Dieser Beitrag befasst sich mit einem der neueren Werke von Haruki Murakami, 1Q84 (Buch 1 und 2). Nach Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt ist dies das zweite Werk des japanischen Schriftstellers in meinem Bücherregal. Mittlerweile ist ein dritter Teil erschienen, wobei sich diese Rezension auf die beiden ersten Teile bezieht.

In 1Q84 präsentiert Murakami zwei Hauptcharaktere, die abwechselnd die Kapitel aus ihrer Perspektive erzählen.
Aomane ist eine ehemalige Leistungssportlerin und Physiotherapeutin, die gelegentlich für eine wohlhabende alte Dame aus ihrem Kundenkreis unauffällige Auftragsmorde erledigt. Dabei benutzt Aomane einen dünnen Pickel, welcher keine äußeren Spuren an den Opfern hinterlässt. Die Morde geschehen zur Bestrafung von Männern, die Frauen missbraucht, ausgenutzt oder anderweitig gedemütigt haben. Dieses Motiv ist in Einklang mit Aomane’s persönlicher Lebensgeschichte, die indirekt auch von derartigen Misshandlungen geprägt ist.
Tengo ist wie Aomane Ende 20 und verdient sein Geld mit Mathematikunterricht an einer privaten Lehranstalt. Er wird als sehr analytischer Mensch beschrieben und ist sowohl strukturiert als auch genügsam in seinem alltäglichen Handeln. Seine wahre Passion gilt jedoch dem Schreiben, wenn dies auch bisher nicht von Erfolg gekrönt war. Die Veröffentlichung seines ersten eigenen Werkes ist noch nicht abgeschlossen, als ein Freund aus der Literaturbranche ihn um einen Gefallen bittet. Die 17-jährige Schülerin Fukaeri hat einen spannenden Roman geschrieben, der in eine saubere Schriftform gebracht werden muss. Nach langem Zögern willigt Tengo in diesen Auftrag ein und trägt somit zur erfolgreichen Veröffentlichung von “Die Puppe aus Luft” bei.

Zentrales Thema des Romans ist der Einfluss des mysteriösen Mädchens Fukaeri (dessen Rolle für die Handlung des Buches sich erst nach und nach offenbart) auf das Leben von Tengo und Aomane. Die voneinander unabhängigen Handlungen der beiden Charaktere führen diese unbemerkt in die selbe Richtung und konfrontieren sie Schritt für Schritt mit Personen und Erzählungen, die miteinander in Zusammenhang stehen. Tengo und Aomane beschützen Fukaeri vor einer finsteren Sekte, in welcher Fukaeris Eltern leben und wo sie aufgewachsen ist. Im Fokus der gegnerischen Seite steht der Leader der Sekte, welcher dort göttlichen Status genießt und übersinnliche Kräfte haben soll.

Im späteren Verlauf des Buches realisieren Tengo und Aomane zwei Dinge:
- einerseits sind sie sich bereits in der Grundschule einmal kurz begegnet und jeder der beiden stellt eine alte nostalgische Phantasie für den anderen da
- andererseits sind beide zu einem bestimmten Zeitpunkt in eine Parallelwelt geraten, die sich nur minimal von der realen Welt unterscheidet und anstatt 1984 mit 1Q84 bezeichnet wird, wobei das Q die japanische 9 repräsentieren soll.

Murakami’s Roman 1Q84 (Teil 1&2) geht über 1000 Seiten und stellt damit sogar für ihn ein eher dickeres Werk dar. Da es wenig Sinn macht die Teile zu trennen werden sie an dieser Stelle nur gemeinsam bewertet. Jeder sollte für sich selbst wissen ob er ein derart langes Werk bewerkstelligen will. Wer sich auf die epischen Schilderungen der Personen einlässt wird mit subtilen, aber großartigen Charakteren belohnt, die die gelegentliche Langatmigkeit der spannenden Geschichte ausreichend kompensieren und das Buch zu einem empfehlenswerten Gesamtwerk machen.

Murakami’s 1Q84 ist im September 2012 im btb Verlag erschienen. Es umfasst Teil 1&2 und wurde mittlerweile durch einen 3. Teil ergänzt.

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Nassim N. Taleb – Antifragilität: Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen

2013
08.12

Nassim N. Taleb’s neuestes Werk Antifragilität dreht sich um den von ihm kreierten Begriff Antifragilität. Vor Beginn der Lektüre musste ich mich wiederholt vor mir selbst rechtfertigen, warum ich mir diesen Schmerz zumute, ein ganzes Buch zu lesen, das sich ausschließlich um einen einzigen Begriff dreht. Gedanken wie “die längste Definition der Welt” schossen mir kurzzeitig durch den Kopf, wurden jedoch schnell wieder von mir verworfen.

Ich wurde auf Taleb durch die Lektüre eines Blogposts von Malcolm Gladwell aufmerksam. Gladwell ist eher ein ziemlich selbstverliebter Wichtigtuer, der meiner Ansicht nach gnadenlos überschätzt wird. Fairerweise muss ich zugeben dass ich nur zahlreiche Blogposts von ihm kenne und kein ganzes Werk von ihm gelesen habe. Die Blogposts sind jedoch einzelne Kapitel seiner Werke. Taleb ist auch in einer Art und Weise von sich überzeugt, die den ein oder anderen Leser durchaus abstoßen könnte. Dennoch sind seine Ansichten und Theorien wesentlich profunder als dies bei Gladwell der Fall ist.

Antifragilität ist die Eigenschaft eines Systems, von zufälligen Ereignissen zu profitieren. Ein fragiles System kann unter Zufallsereignissen (z.B. die Finanzmarktkrise) komplett zerstört werden, während ein antifragiles System (ein Finanzmarkt mit vielen kleinen Banken) nicht so anfällig für derartige Totalzerstörungen ist.

Taleb bringt viele Beispiele aus dem Alltag, was für mich eines der stärksten Kaufargumente für dieses Buch ist. Exemplarisch ist folgende Geschichte: Zwei Zwillingsbrüder leben in London, Bruder 1 arbeitet als Sachbearbeiter in einer großen Versicherung, Bruder 2 fährt Taxi. Bruder 1 hat jeden Monat sein festes Einkommen, während Bruder 2 bei Großereignissen gut verdient, jedoch auch gelegentlich einen Abend hat an dem er nur sein Essen verdient. Auf das Jahr gerechnet verdienen die beiden Brüder etwa das Gleiche. Man könnte – insbesondere in Deutschland – davon ausgehen, dass man dem Job von Bruder 1 den Vorzug geben sollte. Die Volatilität auf den Tag bezogen ist bei Bruder 2 sicher höher, er hat auf den Tag bezogen ein wesentlich unsichereres Einkommen. Auf das Jahr bezogen sind die Einkommen von Bruder 1 und Bruder 2 so gut wie gleich. In einer Wirtschaftskrise ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass der Job von Bruder 1 wegrationalisiert wird, als das eine elementare Dienstleistung des Alltags wie Taxifahren verschwindet. Das Faszinosum aus Sicht Talebs ist, dass sich Bruder 1 wie ein Truthahn im November (vor Thanksgiving) fühlt. Viele Jahre lang vertraut er dem Bauern, bei dem er gehalten wird. Am Anfang ist er noch kritisch, aber mit der Zeit merkt er dass ihm dieser Mensch ein Dach über dem Kopf gibt, ihn täglich füttert und vieles mehr. Er wird sich zu keinem Zeitpunkt seines Lebens sicherer fühlen als am Tag vor seiner Schlachtung. So ähnlich wird es Bruder 1 ergehen.

Weitere interessante Aspekte des Buches sind die Betonung der Vorteile von kleinen dezentralen Organisationseinheiten, wobei sich Tales häufig auf die Schweiz bezieht. Außerdem ist er für die Einführung eines Entrepreneur-Feiertages, an dem gescheiterte Entrepreneure gefeiert werden, da sie zur Antifragilität des wirtschaftlichen Systems beitragen und aufzeigen, in welchen Bereichen wirtschaftliche Aktivität unattraktiv ist, und damit zum Wohl des gesamtwirtschaftlichen Systems beitragen.

Ich kann dieses Buch empfehlen, wenn man interessiert ist, die Welt aus einer ungewohnten neuen Perspektive zu beleuchten. Ich kann jetzt einige persönliche Ansichten, die ich mir schon vor längerer Zeit zu Eigen gemacht habe, vernünftig anhand des Konzeptes der Antifragilität begründen und habe deshalb zweifellos von der Lektüre profitiert.

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Josef Wilfling – Abgründe: Wenn aus Menschen Mörder werden

2010
05.19

Der volle Titel dieses Buches lautet: Abgründe: Wenn aus Menschen Mörder werden – Der legendäre Mordermittler deckt auf. Der ehemalige Münchener Mordermittler Josef Wilfling beschreibt in diesem Buch die beeindruckendsten Fälle seiner Karriere, wobei dem Leser sehr schnell klar wird, was Abgründe wirklich heisst. Nach den etwas zähen ersten zwanzig Seiten, in welchen Wilfling grob die Grundsätze seiner Tätigkeit abhandelt, erzählt der Ermittler verschiedene Mordfälle, welche alle unterschiedliche Motive haben. Die Titel der einzelnen Kapitel kennzeichnen diese Motive: Grausamkeit, Heimtücke, Mordlust, Perversitäten, Verdeckung, Wollust und Habgier. Dazwischen sind noch einige aufschlussreiche Kapitel mit Fällen gelagert, welche auch die Gedanken und Erfahrungen Wilflings wiedergeben.

Die Abgründe seines Berufs sind zwar den meisten Lesern ein Begriff, dennoch schockiert die Beschreibung der Psyche der Täter mitunter ungemein. Kritisch muss jedoch hier auch auf Wilflings zahlreiche Seitenhiebe gegen das seiner Ansicht nach “zu liberale” Strafrecht hingewiesen werden, die relativ unfundiert bzw. meiner Ansicht nach beinahe manipulativ in den Text eingebunden werden. Diese Betrachtungen sind stets einseitig, machen jedoch nur einen ganz geringen Teil des Buches aus. Der Großteil liest sich wie ein spannender Krimi mit viel Realitätsbezug und einem interessanten Einblick in die Arbeit der Polizei. Insbesondere die Art und Weise, wie Zeugen verhört und taktisch bearbeitet werden ist faszinierend und wahrscheinlich nie zuvor in Deutschland derart detailliert wiedergegeben worden, zumal der Leser zu den faktischen Einsichten auch Eindrücke von der Gedankenwelt eines Verhörspezialisten erhält.

Das Buch ist durchaus empfehlenswert, mir hat es wahrscheinlich sogar noch ein bisschen mehr gefallen da ich als Münchener die Schauplätze der meisten Straftaten, welche im Rahmen des Buches besprochen werden, kenne und sich für mich dadurch wohl der Realitätsfaktor erhöht.

Beachtenswert ist wie Wilfling es schafft, die Arbeit und die Schritte der Polizei detailliert zu schildern ohne dabei jemals langweilig zu werden oder sich in Belanglosem zu verlieren. So schildert er die Aufdeckung eines Mordes aus Mordlust nahe der U-Bahn Station Michaelibad in München auf 56 Seiten sowie einen Mord aus Wollust an einer Studentin im Olympiadorf auf 60 Seiten. Gerade diese beiden langen Fälle sind die interessantesten Fälle des Buchs. Zwar ist der Täter insb. bei letzterem Fall früh bekannt, jedoch ist es die Beschreibung der Polizeiarbeit die einen großen Spannungsmoment erzeugt. Beim Lesen des Buches gerät man wirklich in einen Bann aus Faszination, wenn man liest, wie die Münchener Mordkommission Morde ohne Zeugen und ohne Spuren am Tatort aufklärt.

Fazit: Das Buch ist zu empfehlen, ich habe es an zwei Tagen durchgelesen, da ich es nach einiger Zeit einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte.