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2010
03.20
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Josef Wilfling – Abgründe: Wenn aus Menschen Mörder werden

2010
05.19

Der volle Titel dieses Buches lautet: Abgründe: Wenn aus Menschen Mörder werden – Der legendäre Mordermittler deckt auf. Der ehemalige Münchener Mordermittler Josef Wilfling beschreibt in diesem Buch die beeindruckendsten Fälle seiner Karriere, wobei dem Leser sehr schnell klar wird, was Abgründe wirklich heisst. Nach den etwas zähen ersten zwanzig Seiten, in welchen Wilfling grob die Grundsätze seiner Tätigkeit abhandelt, erzählt der Ermittler verschiedene Mordfälle, welche alle unterschiedliche Motive haben. Die Titel der einzelnen Kapitel kennzeichnen diese Motive: Grausamkeit, Heimtücke, Mordlust, Perversitäten, Verdeckung, Wollust und Habgier. Dazwischen sind noch einige aufschlussreiche Kapitel mit Fällen gelagert, welche auch die Gedanken und Erfahrungen Wilflings wiedergeben.

Die Abgründe seines Berufs sind zwar den meisten Lesern ein Begriff, dennoch schockiert die Beschreibung der Psyche der Täter mitunter ungemein. Kritisch muss jedoch hier auch auf Wilflings zahlreiche Seitenhiebe gegen das seiner Ansicht nach “zu liberale” Strafrecht hingewiesen werden, die relativ unfundiert bzw. meiner Ansicht nach beinahe manipulativ in den Text eingebunden werden. Diese Betrachtungen sind stets einseitig, machen jedoch nur einen ganz geringen Teil des Buches aus. Der Großteil liest sich wie ein spannender Krimi mit viel Realitätsbezug und einem interessanten Einblick in die Arbeit der Polizei. Insbesondere die Art und Weise, wie Zeugen verhört und taktisch bearbeitet werden ist faszinierend und wahrscheinlich nie zuvor in Deutschland derart detailliert wiedergegeben worden, zumal der Leser zu den faktischen Einsichten auch Eindrücke von der Gedankenwelt eines Verhörspezialisten erhält.

Das Buch ist durchaus empfehlenswert, mir hat es wahrscheinlich sogar noch ein bisschen mehr gefallen da ich als Münchener die Schauplätze der meisten Straftaten, welche im Rahmen des Buches besprochen werden, kenne und sich für mich dadurch wohl der Realitätsfaktor erhöht.

Beachtenswert ist wie Wilfling es schafft, die Arbeit und die Schritte der Polizei detailliert zu schildern ohne dabei jemals langweilig zu werden oder sich in Belanglosem zu verlieren. So schildert er die Aufdeckung eines Mordes aus Mordlust nahe der U-Bahn Station Michaelibad in München auf 56 Seiten sowie einen Mord aus Wollust an einer Studentin im Olympiadorf auf 60 Seiten. Gerade diese beiden langen Fälle sind die interessantesten Fälle des Buchs. Zwar ist der Täter insb. bei letzterem Fall früh bekannt, jedoch ist es die Beschreibung der Polizeiarbeit die einen großen Spannungsmoment erzeugt. Beim Lesen des Buches gerät man wirklich in einen Bann aus Faszination, wenn man liest, wie die Münchener Mordkommission Morde ohne Zeugen und ohne Spuren am Tatort aufklärt.

Fazit: Das Buch ist zu empfehlen, ich habe es an zwei Tagen durchgelesen, da ich es nach einiger Zeit einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte.

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Ferdinand von Schirach – Verbrechen

2010
04.01

In Verbrechen erzählt der ausschließlich auf das Strafrecht spezialisierte Berliner Anwalt Ferdinand von Schirach von Verbrechen, deren Folgen und Hintergründe er als Anwalt und als Verteidiger der jeweiligen Verbrecher miterlebt hat. Aus der Sammlung dieser Kurzgeschichten entstand das hier genannte Buch. Einige Fälle sind kurioser als andere, aber das Interessante sind die Hintergründe der Tat und deren Aufarbeitung vor Gericht. So findet man einen Ehemann, der als Arzt in einem kleinen Ort lebt und seiner Frau nach jahrzehntelanger erlittenen Demütigung spontan im Keller den Schädel spaltet, wie auch Kleinkriminelle, die in Berlin eine Villa eines wohlhabenden Geschäftsmannes ausräumen und am Ende der Geschichte diesem die Beute mit Zinsen freiwillig zurückgeben, ohne dass sie von staatlicher Stelle gezwungen worden wären. Ich will hier nicht zu sehr auf die einzelnen Fälle eingehen, denn sonst würde ich dem Interessenten zuviel vorweg nehmen. Soviel sei gesagt – beinahe jede Geschichte ist spannend und interessant für sich. Kleine Einzelheiten wurden verfälscht, der Hauptstrang ist tatsächlich vom Anwalt erlebt.

Das Buch schockiert und fasziniert zugleich. Von Schirach erzählt ruhig und unaufgeregt und verliert sich nie in unwichtigen Details. Der Leser kann sich jeden Abend ein Kapitel vornehmen und so für 15 Minuten vor dem Einschlafen in die Welt von Verbrechen eintauchen oder es geschieht ihm wie mir und er liest das Buch in einem Stück, da zumindest ich es nach den ersten Fällen nur schwer zur Seite legen konnte. Von Schirach ist ein hervorragendes Werk gelungen und es überrascht nicht, dass es auch im Ausland auf reges Interesse stößt und sich Constantin bereits die Filmrechte gesichert hat.

Übrigens: Wer einen Oldtimer sucht und noch nicht das passende Auto gefunden hat, sollte sich mal auf den Seiten von Oldtimer Palace umsehen. Da gibt es zahlreiche Angebote von Fahrzeugen und Ersatzteilen rund um Oldtimer. Als großer Autoliebhaber kann ich euch die Seite nur wärmstens empfehlen.

Julia Friedrichs – Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen

2010
03.29

Julia Friedrich ist eine junge Journalistin und macht sich bei ihrer Erkundungstour durch Deutschland auf die Suche nach der Bedeutung des Wortes Elite, welches immer häufiger einzelne Bildungsinstitutionen schmückt und im Sprachgebrauch trotz vielfacher öffentlicher Kritik langsam erneut Einzug erhält. Ihre Besuche umfassen private Schulen wie Schloss Salem und Schloss Neubeuern, private Hochschulen wie die European Business School in Oestrich-Winkel oder die WHU in Vallendar, Elite-Programme wie die Stiftung im Münchener Maximilianeum und die Bayerische EliteAkademie sowie auch einige eher nebensächliche Elite-Institutionen wie Lernangebote in Englisch für 3-Jährige oder ATTAC unter dem Gesichtspunkt der Elitebildung in einer Organisation welche elitäre Strukturen aus sich selbst heraus ablehnt. Das Buch besteht aus den Besuchen der jeweiligen Institutionen und Interviews mit darin involvierten Personen wie Lehrer, Professoren, Teilnehmer und Schüler. Parallel zieht die Autorin stets den Vergleich mit ihrem Leben und ihrem Elternhaus. Julia Friedrichs Buch ist vielleicht populistisch aber etwas anderes durfte man nach dem Lesen des Titels auch nicht erwarten. Es enthält keine Hasstiraden und die Autorin versucht stets objektiv zu bleiben, weshalb ihr definitv kein übertriebener Populismus vorgeworfen werden. Ihre Schilderungen sind sehr aufmerksam und ihre Fragen direkt. Auch hat sie meiner Ansicht nach alle sogenannten Elite-Institutionen besucht und keine wesentlichen Stationen ausgelassen. Dennoch muss ihr der Vorwurf gemacht werden, wenig Neues für den durchschnittlich gebildeten Leser hervorzubringen. Die generellen Vor- und Nachteile dieser Institutionen sind gemeinhin bekannt und auch die Interview liefern letztendlich wenig Überraschendes. Lediglich einzelne Fakten wie der überdurchschnittlich schlechte Abiturschnitt eines Elite-Internats mögen den Leser kurz beeindrucken, die Mehrzahl der Fakten und Charakteristika der Institutionen und insbesondere ihrer Schüler können jedoch kaum eine Überraschung sein. Das Buch ist dennoch für jeden an der Thematik Interessierten lesenswert, zumal es kaum ein vergleichbares Buch gibt und allein das bereits eine Empfehlung rechtfertigt.

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Tommy Jaud – Hummeldumm

2010
03.20

Tommy Jaud hat vor Kurzem sein neuestes Werk (und sein Viertes insgesamt) herausgebracht. Nach dem mit Pocher verfilmten Vollidiot (Wer das Buch mag hasst den Film) und dem leicht auf diesem aufbauenden Millionär sowie dem eigenständigen Resturlaub ist auch Hummeldumm wieder ein eigenständiges Buch und legt den Fokus erneut auf eine andere Weise wieder auf das Thema Urlaub. Diesmal geht es aber nicht nach Argentinien sondern nach Namibia auf eine Rundreise durch die ehemalige deutsche Kolonie. Der Protagonist Matze unterscheidet sich wenig von den bisherigen Charakteren in den Büchern Tommy Jauds, insbesondere zu Resturlaub sind viele Ähnlichkeiten erkennbar. Matze’s Freundin Sina nötigt ihn zu diesem Urlaub, welchen er von vornherein ablehnt, da ihm der Urlaubsablauf, die Art und das Ziel der Reise nicht zusagt. Jaud setzt auf altbewährtes und schreibt ein lustiges Buch mit einer Aneinanderreihung komischer Zufälle und Situationen sowie schrulligen Charakteren in allen Facetten.
Mir ging es wie bei den vorherigen Büchern, ich musste mehrmals laut lachen und jeder, der leichte Lektüre sucht, wird mit diesem Buch zufrieden sein. Dennoch hört man negative Stimmen und auch ich muss an dieser Stelle sagen, dass Hummeldumm nicht ganz so originell und lustig wie die Vorgänger Vollidiot und Resturlaub ist. Zwar gelingt es Tommy Jaud in Hummeldumm wieder, in kurzer Zeit eine prägnante vorstellbare Szenerie zu kreieren, dennoch weit wenig originell als in den eben genannten Werken. Nichts destotrotz, die Erwartungen sind sehr hoch, und auch wenn sie nicht vollkommen erfüllt werden, ist Hummeldumm auf jeden Fall seine Zeit wert, falls man ein lustiges und seichtes Buch lesen will.