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Archive for März, 2010
Julia Friedrichs – Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen
03.29
Julia Friedrich ist eine junge Journalistin und macht sich bei ihrer Erkundungstour durch Deutschland auf die Suche nach der Bedeutung des Wortes Elite, welches immer häufiger einzelne Bildungsinstitutionen schmückt und im Sprachgebrauch trotz vielfacher öffentlicher Kritik langsam erneut Einzug erhält. Ihre Besuche umfassen private Schulen wie Schloss Salem und Schloss Neubeuern, private Hochschulen wie die European Business School in Oestrich-Winkel oder die WHU in Vallendar, Elite-Programme wie die Stiftung im Münchener Maximilianeum und die Bayerische EliteAkademie sowie auch einige eher nebensächliche Elite-Institutionen wie Lernangebote in Englisch für 3-Jährige oder ATTAC unter dem Gesichtspunkt der Elitebildung in einer Organisation welche elitäre Strukturen aus sich selbst heraus ablehnt. Das Buch besteht aus den Besuchen der jeweiligen Institutionen und Interviews mit darin involvierten Personen wie Lehrer, Professoren, Teilnehmer und Schüler. Parallel zieht die Autorin stets den Vergleich mit ihrem Leben und ihrem Elternhaus. Julia Friedrichs Buch ist vielleicht populistisch aber etwas anderes durfte man nach dem Lesen des Titels auch nicht erwarten. Es enthält keine Hasstiraden und die Autorin versucht stets objektiv zu bleiben, weshalb ihr definitv kein übertriebener Populismus vorgeworfen werden. Ihre Schilderungen sind sehr aufmerksam und ihre Fragen direkt. Auch hat sie meiner Ansicht nach alle sogenannten Elite-Institutionen besucht und keine wesentlichen Stationen ausgelassen. Dennoch muss ihr der Vorwurf gemacht werden, wenig Neues für den durchschnittlich gebildeten Leser hervorzubringen. Die generellen Vor- und Nachteile dieser Institutionen sind gemeinhin bekannt und auch die Interview liefern letztendlich wenig Überraschendes. Lediglich einzelne Fakten wie der überdurchschnittlich schlechte Abiturschnitt eines Elite-Internats mögen den Leser kurz beeindrucken, die Mehrzahl der Fakten und Charakteristika der Institutionen und insbesondere ihrer Schüler können jedoch kaum eine Überraschung sein. Das Buch ist dennoch für jeden an der Thematik Interessierten lesenswert, zumal es kaum ein vergleichbares Buch gibt und allein das bereits eine Empfehlung rechtfertigt.
Tommy Jaud – Hummeldumm
03.20
Tommy Jaud hat vor Kurzem sein neuestes Werk (und sein Viertes insgesamt) herausgebracht. Nach dem mit Pocher verfilmten Vollidiot (Wer das Buch mag hasst den Film) und dem leicht auf diesem aufbauenden Millionär sowie dem eigenständigen Resturlaub ist auch Hummeldumm wieder ein eigenständiges Buch und legt den Fokus erneut auf eine andere Weise wieder auf das Thema Urlaub. Diesmal geht es aber nicht nach Argentinien sondern nach Namibia auf eine Rundreise durch die ehemalige deutsche Kolonie. Der Protagonist Matze unterscheidet sich wenig von den bisherigen Charakteren in den Büchern Tommy Jauds, insbesondere zu Resturlaub sind viele Ähnlichkeiten erkennbar. Matze’s Freundin Sina nötigt ihn zu diesem Urlaub, welchen er von vornherein ablehnt, da ihm der Urlaubsablauf, die Art und das Ziel der Reise nicht zusagt. Jaud setzt auf altbewährtes und schreibt ein lustiges Buch mit einer Aneinanderreihung komischer Zufälle und Situationen sowie schrulligen Charakteren in allen Facetten.
Mir ging es wie bei den vorherigen Büchern, ich musste mehrmals laut lachen und jeder, der leichte Lektüre sucht, wird mit diesem Buch zufrieden sein. Dennoch hört man negative Stimmen und auch ich muss an dieser Stelle sagen, dass Hummeldumm nicht ganz so originell und lustig wie die Vorgänger Vollidiot und Resturlaub ist. Zwar gelingt es Tommy Jaud in Hummeldumm wieder, in kurzer Zeit eine prägnante vorstellbare Szenerie zu kreieren, dennoch weit wenig originell als in den eben genannten Werken. Nichts destotrotz, die Erwartungen sind sehr hoch, und auch wenn sie nicht vollkommen erfüllt werden, ist Hummeldumm auf jeden Fall seine Zeit wert, falls man ein lustiges und seichtes Buch lesen will.