Archive for the ‘Biografie’ Category

Josef Wilfling – Abgründe: Wenn aus Menschen Mörder werden


2010
05.19

Der volle Titel dieses Buches lautet: Abgründe: Wenn aus Menschen Mörder werden – Der legendäre Mordermittler deckt auf. Der ehemalige Münchener Mordermittler Josef Wilfling beschreibt in diesem Buch die beeindruckendsten Fälle seiner Karriere, wobei dem Leser sehr schnell klar wird, was Abgründe wirklich heisst. Nach den etwas zähen ersten zwanzig Seiten, in welchen Wilfling grob die Grundsätze seiner Tätigkeit abhandelt, erzählt der Ermittler verschiedene Mordfälle, welche alle unterschiedliche Motive haben. Die Titel der einzelnen Kapitel kennzeichnen diese Motive: Grausamkeit, Heimtücke, Mordlust, Perversitäten, Verdeckung, Wollust und Habgier. Dazwischen sind noch einige aufschlussreiche Kapitel mit Fällen gelagert, welche auch die Gedanken und Erfahrungen Wilflings wiedergeben.

Die Abgründe seines Berufs sind zwar den meisten Lesern ein Begriff, dennoch schockiert die Beschreibung der Psyche der Täter mitunter ungemein. Kritisch muss jedoch hier auch auf Wilflings zahlreiche Seitenhiebe gegen das seiner Ansicht nach “zu liberale” Strafrecht hingewiesen werden, die relativ unfundiert bzw. meiner Ansicht nach beinahe manipulativ in den Text eingebunden werden. Diese Betrachtungen sind stets einseitig, machen jedoch nur einen ganz geringen Teil des Buches aus. Der Großteil liest sich wie ein spannender Krimi mit viel Realitätsbezug und einem interessanten Einblick in die Arbeit der Polizei. Insbesondere die Art und Weise, wie Zeugen verhört und taktisch bearbeitet werden ist faszinierend und wahrscheinlich nie zuvor in Deutschland derart detailliert wiedergegeben worden, zumal der Leser zu den faktischen Einsichten auch Eindrücke von der Gedankenwelt eines Verhörspezialisten erhält.

Das Buch ist durchaus empfehlenswert, mir hat es wahrscheinlich sogar noch ein bisschen mehr gefallen da ich als Münchener die Schauplätze der meisten Straftaten, welche im Rahmen des Buches besprochen werden, kenne und sich für mich dadurch wohl der Realitätsfaktor erhöht.

Beachtenswert ist wie Wilfling es schafft, die Arbeit und die Schritte der Polizei detailliert zu schildern ohne dabei jemals langweilig zu werden oder sich in Belanglosem zu verlieren. So schildert er die Aufdeckung eines Mordes aus Mordlust nahe der U-Bahn Station Michaelibad in München auf 56 Seiten sowie einen Mord aus Wollust an einer Studentin im Olympiadorf auf 60 Seiten. Gerade diese beiden langen Fälle sind die interessantesten Fälle des Buchs. Zwar ist der Täter insb. bei letzterem Fall früh bekannt, jedoch ist es die Beschreibung der Polizeiarbeit die einen großen Spannungsmoment erzeugt. Beim Lesen des Buches gerät man wirklich in einen Bann aus Faszination, wenn man liest, wie die Münchener Mordkommission Morde ohne Zeugen und ohne Spuren am Tatort aufklärt.

Fazit: Das Buch ist zu empfehlen, ich habe es an zwei Tagen durchgelesen, da ich es nach einiger Zeit einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte.

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Warren Buffett’s Schneeball


2009
11.02

1300 Seiten habe ich verschlungen, aber hätte mich das Buch nicht persönlich interessiert, hätte ich wohl kaum durchgehalten. Durchgehalten assoziiere ich in diesem Fall jedoch nicht mit Unerträglichkeit oder Ähnlichem, denn diese Biographie des Milliardärs und Anleger-Papstes Warren Buffett ist durchaus zu empfehlen. Klar – man sollte schon Interesse für die Person Buffett mitbringen, sonst wird es kaum Sinn machen das Buch in die Hand zu nehmen.
In diesem Buch geht es nicht um Anlagekniffe oder Tipps und Tricks des Altmeisters, obgleich man seine grundsätzliche Art zu denken und zu handeln durchaus in der Zeichnung seiner Person durch Alice Schroeder erahnen kann. Das Buch geht ins Detail und das stark – und wird dennoch nie langweilig. Denn trotz der einfach erscheinenden Monotonie des Lebens Buffetts entspricht diese Sichtweise nur sehr bedingt der Realität, denn Buffett kam trotz frühen Bezuges zur Wirtschaft nur über viele Stationen an die Stelle, an welcher sein wahrnehmbarer Erfolg einsetzte und er langsam begann, sich zu einer Investmentlegende zu entwickeln, welche erst Jahrzehnte später von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden sollte. Von seiner Kindheit bis ins “Hier und Jetzt” begleitet diese Biographie das Leben Buffetts, eines Mannes der eine kindliche Begeisterung in eine Passion verwandeln konnte und dieser bis ins hohe Alter nacheifert. Seine Biographie ist für sowohl für seine Anhänger wie auch für latent Interessierte Leser ein Buchtipp für aufschlußreiche Abende.

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Helmut Schmidt – Ausser Dienst


2009
08.30

Altkanzler Schmidt spricht in seinem neuesten Buch Außer Dienst über vieles aus vergangenen Tagen, aber auch viele hochaktuelle Probleme werden von ihm aus der Sicht eines Kanzlers interpretiert. Dies verwundert bei der Person Schmidts kaum, regt jedoch dazu an, Entscheidungen von verschiedenen Standpunkten zu betrachten um sie nachvollziehen zu können. Ehrlich spricht Helmut Schmidt auch über schwere Stunden seiner Laufbahn, ohne damit eine Lebensbeichte ablegen zu wollen. Überraschend ist die Deutlichkeit der Thematik der Europäischen Union – welche Schmidt immer wieder aufgreift und auch im historischen Kontext betrachtet, ohne dabei in unwichtige Details zu verfallen.  Die Lektüre von Außer Dienst, dass pünktlich vor dem 90. Geburtstag Schmidts erscheint, ist nicht nur “Fans” des Altkanzlers zu empfehlen.